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Wissensformen, Berufsrollen und Kooperationsstrukturen
(2010)
Berufliche Rollen lassen sich ebenso wie
kooperative Arbeitsgruppen oder Organisationen danach
klassifizieren, welche verschiedenen Quellen des Wissens in
ihnen angewendet werden. Auf der Basis der für ihre Erzeugung,
Speicherung und Übermittlung verwendeten Mechanismen lassen
sich sechs Zustandsformen des Wissens unterscheiden, die
zwischen einem Pol subjektiver „Internalität“ (persönliche
Intuition und Erfahrung) und einem Pol objektivierter „Externalität“
(schriftliche Regeln und materialisierte Technologien)
variieren. Im Mittelfeld dieses Kontinuums befinden sich das
durch informelle Sozialisierung vermittelte Wissen sowie das
formale Bildungswissen – zwei hybride Formen, die durch eine
Kombination aus übersubjektiver Tradierung und subjektiver
Aneignung gekennzeichnet sind. Aus der Synthese verschiedener
theoretischer Propositionen und empirischer Regularitäten in der
bisherigen Literatur lässt sich eine generalisierte Theorie der
Wissensformen und Rollenqualifikationen gewinnen: indem man
jeder Wissensform einen Komplex von spezifischen "funktionalen
Kapazitäten" zuschreibt, die sich einerseits auf Fähigkeiten zur
Umweltadaptation und Problemlösung und andererseits auf die
Herausbildung bestimmter interpersoneller Interaktionsmuster und
sozialer Strukturformen beziehen. In der modernen Arbeitswelt
lassen sich polarisierende Entwicklungen zu hoch
internalisierten Qualifikationen einerseits und hoch
externalisierten Wissensformen andererseits erkennen, zwischen
denen das informelle Traditionswissen und das formale
Ausbildungswissen relativ unstabile Intermediärpositionen
besetzen.
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Political
Correctness: Mental Disorder, Childish Fad or
Advance in Human Civilization?
In: Sociology in Switzerland. Online Publications
(2008)
While Political
Correctness may contribute to an advance of human civilization
by promoting the inclusion of hitherto neglected minorities,
cultural patterns and points of view, it reduces sharply the
options to behave rationally toward our social environment: on
the level of ideology as well as in the sphere of everyday
action and in the realm of scientific research.
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Zur Krise
des Helfens in der individualisierten Gesellschaft
(2001)
"Individualisierung" bedeutet, dass immer
mehr Menschen immer stärker bestrebt sind, ihre Lebensumstände
und ihre persönliche Entwicklung autonom zu bestimmen. Diese
Entwicklung hat fundamentale Auswirkungen auf alle
zwischenmenschlichen Interaktionen, Rollenstrukturen und
Institutionen und verändert in besonders drastischer Weise die
Bedingungen, unter denen sich praktisch jede Form karitativer
Hilfeleistung vollzieht. Im besonderen verringern sich die
Möglichkeiten und Chancen wirksamen Helfens ganz allgemein, weil
immer grössere Ungewissheit darüber besteht, wer wann welche Art
von Bedürftigkeit aufweist und welche Art der Hilfeleistung
wünscht.
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Elementare
soziale Wahrnehmungen und Interaktionen: Ein theoretischer
Integrationsversuch (1996)
Unter "kollokaler Sozialität" kann die
Gesamtheit aller - offensichtlich weit über das Feld elementarer
Interaktion oder primärer Gruppenkontakte hinausreichender -
sozialer Verhältnisse verstanden werden, die auf der objektiven
Randbedingung einer simultanen körperlichen Anwesenheit mehrerer
menschlicher Personen am selben Ort beruhen. So kann eine
angezielte "Theorie kollokaler Sozialbeziehungen und
Systembildungen" nur auf jener überaus hohen Abstraktionslage
angesiedelt werden, von der aus es ihr gelingt, den vielfältigen
Formen und Zwecken der auf dieser gemeinsamen Basis errichteten
Sozialverhältnisse Rechnung zu tragen und das gemeinsame
Allgemeine zu formulieren, das beispielsweise eine Begegnung im
Eisenbahnabteil mit der Sitzung eines Regierungskabinetts oder
ein Forschungskolloquium mit einer Massendemonstration verbindet.
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Elemente zu einer Soziologischen Theorie des Unterlassens
(1986)
Da Unterlassungen (als
Nichtereignisse) nicht in der Welt des Positiv-Faktischen
verankert sind, müssen sie umso stärker auf der Ebene
(individueller und sozialer) Erwartungen verankert sein. Deshalb
besitzen sie nur eine derivierte, innrhalb eines Bezugsrahmens
von Erwartungen (die natürlich undeutlich und dissensual sein
können) konstituierte Existenz: was beispielsweise ihre
historische Erinnerbarkeit und Reaktualisierbarkeit erschwert.
Im Vergleich zu Aktivhandlungen zeichnen sich Unterlassungen
überdies dadurch aus, dass sie eine geringe Spezifität (und
damit: ein geringes Expressivitätspotential) aufweisen, und dass
sie in unselektiver Weise niederschwellig universell
zugänglich sind. Damit kommt ihnen vor allem in modernen
Gesellschaften immer mehr die Funktion zu, die soziale
Homogenität und extensive kollektive Integration der Menschen zu
sichern, während Aktivhandlungen die Wirkung haben, soziale
Differenzierung und Individualisierung zu katalysieren.
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