Friedhelm Ackermann

Beruf, Disziplin, Profession?

Ein kurzer Überblick über qualitative Studien zur Professionalisierung Sozialer Arbeit

Einleitung

In neueren Publikationen zur Frage der Professionalisierung Sozialer Arbeit läßt sich eine Tendenz herauskristallisieren, die die Entwicklung der Erziehungswissenschaften und damit implizit der Sozialen Arbeit als quantitative Erfolgsgeschichte schreibt. Der Dienstleistungssektor und damit der soziale Sektor insgesamt werden als expansiv eingeschätzt (z.B. Leenen 1992, Rauschenbach et al. 1995, Rauschenbach/Schilling 1995, zuletzt Rauschenbach 1999), eine Tendenz, die implizit als fortschreitende Professionalisierung interpretiert wird.

Dagegen geraten diese Tendenzen kaum unter qualitativen Gesichtspunkten in den Blick. Es scheint, als genüge die Selbstvergewisserung, einem expandierenden Sektor der Dienstleistungsgesellschaft anzugehören, bereits ausreichend, um die Frage einer Professionalisierung bzw. Professionalisierbarkeit Sozialer Arbeit zu beantworten. Dieser Tendenz entgegen jedoch stehen die Ergebnisse einiger neuerer empirischer Studien, die – fast übereinstimmend – eine gänzlich andere Zeitdiagnose Sozialer Arbeit zeichnen.

Professionalisierung durch Orientierung an den Referenzsystemen anderer Disziplinen?

Die Studien von Kurz-Adam (1996) und Sommerfeld (1996) kommen zu dem Ergebnis, daß die Orientierung Sozialer Arbeit an den Referenzsystemen anderer Disziplinen (Psychologie, Medizin) zwar einerseits zu einer Professionalisierung Sozialer Arbeit im jeweiligen Arbeitsbereich führen kann, andererseits hier jedoch zugleich auf der Ebene des beruflichen Selbstverständnis zu einer Aufgabe desselben führt (Kurz-Adam) oder auch den gegenteiligen Effekt der Marginalisierung der Sozialen Arbeit in dem betreffenden Arbeitsbereich haben kann (Sommerfeld). Soziale Arbeit kann somit in einzelnen Bereichen durchaus als professionalisiert gelten, ohne jedoch als Ganzes dem Dilemma semi-professioneller Berufe zu entfliehen.

Im Blickpunkt der Arbeit von Kurz-Adam (1996) steht die Frage nach den Handlungskompetenzen und der beruflichen Identität von MitarbeiterInnen in Erziehungsberatungsstellen. Ziel der Studie ist eine Bestandsaufnahme von 187 katholischen Erziehungsberatungsstellen in der Bundesrepublik. Neben standardisierten Erhebungsbögen, die an alle untersuchten Institutionen gingen, wurden vertiefend 30 leitfadenorientierte Interviews erhoben.

Als zentrales Ergebnis ihrer Arbeit gilt wohl die Feststellung, daß in der Erziehungsberatung der ´psychologische Blick` deutlich dominiert. Dieser gilt nicht nur für die beschäftigten Psychologinnen und Psychologen, sondern ebenso für die in den Einrichtungen beschäftigten Sozialpädagoginnen und –pädagogen, die immerhin ca. ein Drittel der Beschäftigten ausmachen. Insgesamt, so faßt Adam-Kurz ihr Resultat zusammen, hat die traditionelle Dominanz der PsychologInnen in der Erziehungsberatung dazu

„geführt, daß auch die anderen Berufsgruppen von ´psychologischen` Sichtweisen erfaßt wurden. Das Profil der Erziehungsberatung zeigt hier eine klare Annäherung der anderen Berufsgruppen an die der Psychologen in der Sichtweise auf die Kindesprobleme. Signifikante Unterschiede, vor allem zwischen den Sozialpädagogen und Psychologen sind kaum auszumachen“ (ebd., 126f.).

Durch die Tatsache, daß die Leitung der Erziehungsberatungsstellen traditionellerweise mit PsychologInnen besetzt werden, läßt sich so für die Soziale Arbeit eine Professionalisierung ´von oben nach unten` konstatieren, der sozialpädagogische wurde in den psychotherapeutischen Blick überführt. Für die SozialpädagogInnen bedeutet dies, daß sie im Handlungsfeld der Erziehungsberatung

„durch diese Professionalisierung an eigenständigem Profil zugleich gewonnen und verloren (haben): sie verfügen nun über hohe therapeutische Kompetenz, die sozialen Probleme der Kinder und Jugendlichen sind ihnen dabei jedoch – ebenso wie dies traditionell des Psychologen vorgeworfen wird – aus dem Blick geraten“ (ebd., 128).

Dementsprechend ist der Stellenwert lebensweltlicher Sichtweisen auf die Probleme der Klientel verhältnismäßig gering und wird von keiner der beteiligten Berufsgruppen vertreten. Konsequenz: Das klassische Berufsbild des Sozialpädagogen, das ausdrücklich auf die Einbeziehung lebensweltlicher und sozialer Aspekte – zumindest seiner Intention nach – abhebt, wird in den Einrichtungen nicht (mehr) sichtbar.

Adam-Kurz interpretiert diese Ergebnisse dahingehend, daß es der Psychologie als etablierter Profession offenbar relativ leicht gelingt, ein berufliches Selbstverständnis Sozialer Arbeit zu überlagern:

„Der Druck, der von einer dominierenden, hochprofessionellen Berufsgruppe auf das Profil des Teams ausgeht, ist zumeist stärker als das aus der Ausbildung gewonnene berufliche Selbstverständnis der anderen Berufsgruppen im Team“ (ebd., 133).

Wenn jedoch die einzelnen Berufsgruppen kaum noch zu unterscheiden sind, stellt sich die Frage, ob dann von der proklamierten Multidisziplinarität der Teams in den Einrichtungen überhaupt noch die Rede sein kann. Adam-Kurz verneint dies. Die Multidisziplinarität der Teams ist ihres Erachtens nicht allein durch die Existenz verschiedener Fachrichtungen beschreibbar, vielmehr ergibt sie sich durch die hierarchische Arbeitsteilung im Team. Und auch hier sind die Rollen klar verteilt, führen geradezu zu dem paradoxen Effekt, daß die PsychologInnen die Beratungsgespräche führen, den SozialpädagogInnen die Maßnahmen zugewiesen werden, für die sie dann therapeutisch zuständig sind. Daß sich bei dieser Konstellation sozialpädagogische Handlungsmuster nicht aufweisen lassen, verwundert kaum.

Daß die Orientierung an den Referenzsystemen anderer Professionen nicht automatisch auch mit einer Professionalisierung im jeweiligen Arbeitsfeld einhergeht, verdeutlicht Sommerfeld (1996, vgl. auch Sommerfeld/Gall 1996) in seiner Studie. Grundlage seiner Untersuchung sind halbstrukturierte Interviews (Atteslander 1971, Lamnek 1989) mit MitarbeiterInnen der Psychiatrie, die sich auf drei der interagierenden Berufsgruppen (ein Assistenzarzt, ein Pfleger, ein Sozialarbeiter, eine Sozialarbeiterin) verteilten. Zusätzlich wurden zwei Patienten befragt. Die Reichweite der Ergebnisse ist stark begrenzt, da weitere Kontrastierungen fehlen; Sommerfeld selbst stuft die Untersuchung als Vorstudie ein (ebd., 3). Die zentralen Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Unter dem Aspekt des Selbstbildes der befragten SozialarbeiterInnen bilden diese sowohl auf der Ebene der formalen institutionellen Struktur wie auch informell nicht eindeutig ein Team. Vielmehr distanzieren sie sich voneinander „und jede und jeder grenzt sich von der (eigentlich nicht bestehenden) Gruppe von Sozialarbeitenden ab“ (ebd., 8). Diese Heterogenität der Berufsgruppe korrespondiert mit dem Fehlen eines einheitlichen Zieles der Sozialen Arbeit im Berufsfeld Psychiatrie; statt eines gemeinsamen Konzeptes begründet sich das Handeln vielmehr in der Individualität des jeweiligen Sozialarbeiters. Dementsprechend gestaltet sich der Kontakt zu den anderen Berufsgruppen auch nicht im Rahmen der eigenen Berufsgruppe (rollenförmig), sondern vielmehr ungebunden von dieser auf einer persönlichen Ebene. Auch die Arbeit mißt sich nicht an beruflichen Kompetenzen, sondern an menschlichen Qualitäten, sozialarbeiterische und persönliche Aspekte beruflichen Handelns werden als identisch angesehen; generalisierte Handlungen oder Methoden sind nicht erkennbar, Interventionen werden von Fall zu Fall situationsbezogen neu bestimmt.

Eine eindeutige Bestimmung sozialpädagogischer Aspekte im beruflichen Handeln läßt sich nicht aufweisen. Sommerfeld betont vielmehr, daß sich die SozialarbeiterInnen der Hierarchie der Institution unterwerfen und die medizinischen Definitionen des ärztlichen Personals übernehmen. Sie sprechen z.B. bezüglich der zu betreuenden Personen von PatientInnen, nicht etwa von KlientInnen oder AdressatInnen, wie in der Sozialen Arbeit üblich. Neben dieser semantischen Übernahme fremder Definitionen strukturiert sich die Arbeit immer in Abhängikkeit vom ärztlichen Personal, der „Profession der Ärzte ist es gelungen, immer dieses Strukturierungsprinzip der ärztlichen Leitung und Delegation von Teilaufgaben durchzuhalten und durchzusetzen“ (ebd., 15).

Dieses Selbstbild korrespondiert mit dem Fremdbild der anderen Berufsgruppen auf die Berufsgruppe der SozialarbeiterInnen, Fremd- und Selbstbild stimmen in erheblichen Maße überein:

„Die Sozialarbeit wird nicht nur von den Sozialarbeitenden selber, sondern auch von Angehörigen anderer Berufsgruppen nicht als Ganzes, als Einheit von Personen mit berufsspezifischen Kompetenzen wahrgenommen, sondern als zufällig zusammengekommene Individuen“ (ebd., 11).

Die Arbeit der Berufsgruppe der SozialarbeiterInnen ist zudem in einem Maße unprofiliert, daß deren Leistungen in der Wahrnehmung des ärztlichen Personals auch ohne größere Schwierigkeiten von der Pflege übernommen werden könnten. Das einzige Hindernis hierfür sind die zeitlichen Ressourcen des pflegerischen Personals.

Bei einer derartigen Wahrnehmung (bzw. Nicht-Wahrnehmung) Sozialer Arbeit verwundert es dann auch nicht, daß die Soziale Arbeit als Hilfskraft der Pflege eingeschätzt wird, dementsprechend die Arbeit der SozialarbeiterInnen vom interviewten Pflegedienstleiter bewertet und kritisiert wird, er sie gegebenenfalls auch auf die zu erledigenden Pflichten aufmerksam macht.

Zusammenfassend kommt Sommerfeld zu folgenden Thesen:

„Die Sozialarbeit in der Psychiatrie bildet keine Einheit.
Die Sozialarbeit verfügt nicht über berufsspezifische Fähigkeiten (in Darstellung und Wahrnehmung), sondern die Qualität der Arbeit ist weitgehend von der Persönlichkeit Sozialarbeitender abhängig.
Die Sozialarbeit in der Psychiatrie ist marginalisiert und fremdbestimmt.
Es gelingt der Sozialarbeit nicht, sich selbst als Profession darzustellen und Teilautonomie in ihrem Zuständigkeitsbereich durchzusetzen.
Es gelingt der Sozialarbeit nicht, sich als gleichberechtigte Partnerin zu präsentieren.
Daraus entstehen massive Ambivalenzen oder: Schwankungen zwischen grenzenloser Selbstüberschätzung und ebensolcher Selbststigmatisierung.
Weiterhin besteht systematische Unzufriedenheit“. (ebd., 12).

Als Summe der Ergebnisse konstatiert Sommerfeld, daß für die Soziale Arbeit in der Psychiatrie „keine ausreichende berufliche Identität besteht“ (ebd.).

Sommerfeld betont bei der Interpretation dieser Ergebnisse, daß die Korrespondenz von Selbst- und Fremdbild der Berufsgruppe der SozialarbeiterInnen ihren Stellenwert in der Institution marginalisiert. Dies ist jedoch nicht so sehr der Struktur der Institution geschuldet, sondern vielmehr dem Interaktionsprozeß zwischen Selbst- und Fremdverortung. Auf der einen Seite ist das Fremdbild und die Fremdbestimmung „ein wichtiger Bestandteil der Reproduktion des Handlungssystems, das die professionellen SozialarbeiterInnen in einem Status der Nicht-Professionalität hält. Zur Reproduktion des Systems tragen aber die SozialarbeiterInnen selbst auch bei“ (ebd., 25).

Die Schlußfolgerung, die Sommerfeld für die Soziale Arbeit im Handlungsfeld Psychiatrie konstatiert, lautet:

„Vermutlich ist die Berufsidentität der meisten schon von vornherein nicht stark ausgeprägt, weil sich die meisten SozialarbeiterInnen als individuelle HelferInnen verstehen. Wie dem auch sei, in dem konkreten Handlungssystem erweist sie sich jedenfalls als nicht tragfähig. Der systemintern logische Weg führt zu einer individuellen Ausgestaltung der eigenen Berufsrolle. Dies deckt sich mit dem allgemein herrschenden Professionsmodell der Sozialarbeit, in dem es primär auf die Helferpersönlichkeit ankommt“ (ebd., 28).

Soziale Arbeit in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit

Wie gestaltet sich nun Soziale Arbeit in Handlungsfeldern, die qua institutioneller Rahmung eine Orientierung an den Referenzsystemen anderer Disziplinen nicht ermöglichen, die einerseits den SozialarbeiterInnen eine größere Autonomie zugestehen, sie jedoch andererseits auf ihr eigenes Referenzsystem zurückwerfen? Dieser Frage widmet sich Sommerfeld ebenfalls in einem Vergleich seiner Ergebnisse aus der Psychiatrie mit denen von MitarbeiterInnen des Jugendamtes (ebd., 30ff.).

Um es vorwegzunehmen: Obwohl die Soziale Arbeit im Jugendamt über eine bedeutend höhere Autonomie gegenüber der Klinik verfügt, führt dieser Umstand nichts zwangsläufig zu einer stärkeren professionellen Identität der SozialarbeiterInnen, „Autonomie ist somit kein Garant für berufliche Identität“ (ebd., 37).

Die Arbeit im Jugendamt besitzt qua Institution einen monoprofessionellen Charakter, durch welchen ein Machtkampf zwischen Angehörigen unterschiedlicher Berufsgruppen von vornherein nicht zu erwarten ist;

„diese objektiv vorhandene Autonomie wird von den Sozialarbeitenden nicht als solche wahrgenommen. Vielmehr empfinden sie ihre Arbeit als durch den juristischen Komplex fremdbestimmt. [...] Der Freiraum, welcher durch die Autonomie besteht, wird nicht genützt“ (ebd., 35).

Wird einerseits der juristische Komplex als fremdbestimmend wahrgenommen, fungiert er andererseits jedoch als Orientierungsrahmen, um die eigene Unsicherheit und Ungewißheit zu strukturieren. Der Kreislauf schließt sich. Die auf der einen Seite nicht wahrgenommene Autonomie und die Diffusität der Tätigkeit, führt die Angehörigen der Sozialen Arbeit auf der anderen Seite dazu, sich einem Ordnungsrahmen zu unterwerfen, obwohl sie mit dieser Situation zugleich höchst unzufrieden sind. Zu diesem Wechselspiel Sommerfeld:

„Auf der Suche nach einer Absicherung der eigenen Handlungen berufen sich die Sozialarbeitenden an (sic) den juristischen Komplex, suchen bei ihm eine Orientierung. Dies wiederum fördert das Nichtwahrnehmen der Autonomie“ (ebd., 36).

Die Ergebnisse im Detail:

Obwohl, wie Sommerfeld feststellt, der Austausch im Team zum festen Bestandteil der Arbeit im Jugendamt zählt, kann von einem professionellen Austausch oder einer Kooperation im Sinne einer Werte- oder Mehodendiskussion keine Rede sein. Vorgehensweise und Ziele der konkreten Situation werden von dem/der einzelnen SozialarbeiterIn individuell bestimmt. Es fehlen generalisierbare Handlungsrichtlinien; sowohl in der täglichen Arbeit als auch im methodischen Herangehen haben die MitarbeiterInnen freie Hand. Dies führt jedoch in der Wahrnehmung der Situation eher zu Unsicherheiten bei den einzelnen MitarbeiterInnen. Sie pendeln zwischen Entscheidungsrecht und Selbständigkeit auf der einen und einer Orientierungslosigkeit, die in Handlungsunsicherheit mündet, auf der anderen Seite. Neben der bereits oben dargestellten Möglichkeit, sich an juristischen Vorgaben zu orientieren, besteht ein weiterer Umgang mit dieser Unsicherheit darin, individuelle Konflikte auf das Team zu übertragen, welchem die Funktion zukommt, wichtige Entscheidungen ´abzusegnen`; das Team dient als Legitimationslieferant des eigenen Handelns.

Diese Unsicherheit führt Sommerfeld u.a. darauf zurück, daß ein generalisiertes theoretisches und methodisches Referenzsystem den MitarbeiterInnen nicht zur Verfügung steht, wichtiger für das Handeln vielmehr die eigene Persönlichkeit erachtet wird: „Erfolge im Umgang mit Problemsituationen von KlientInnen werden nicht primär der in der Ausbildung erworbenen sozialarbeiterischen Kompetenz zugeschrieben, sondern vielmehr der je individuellen ´HelferInnenkompetenz`“ (ebd., 31). Diese beruht zu einem großen Teil auf dem persönlichen Hintergrund der MitarbeiterInnen oder auf Weiterbildungen, die jedoch weniger in fachlicher Hinsicht, sondern vielmehr zur persönlichen Stärkung genutzt werden.

Angesichts dieser Ergebnisse kommt Sommerfeld bezüglich Sozialer Arbeit im Jugendamt zu den folgenden Thesen:

„Die Sozialarbeit verfügt nicht über berufsspezifische Fähigkeiten (in Darstellung und Wahrnehmung), sondern die Qualität der Arbeit wird weitgehend in Abhängigkeit von der Persönlichkeit Sozialarbeitender empfunden.
D
ie Sozialarbeit verfügt im JA (Jugendamt, Anm. F.A.) wohl über einen autonomen Bereich, vermag diesen aber nur ungenügend zu strukturieren und zu nützen.
Daraus entstehen massive Ambivalenzen oder: Schwankungen zwischen grenzenloser Selbstüberschätzung und Ohnmachtsgefühlen“ (ebd., 33).

Wie für die Soziale Arbeit in der Psychiatrie kommt Sommerfeld zu dem Resultat, daß auch im Jugendamt „keine ausreichende berufliche Identität besteht“ (ebd.).

Steht im Focus der Analyse von Sommerfeld primär die Frage nach der wahrgenommenen Autonomie Sozialer Arbeit und ihre Abhängigkeit vom juristischen Komplex, gehen die Arbeiten von Thole und Küster-Schapfl (1996, 1997, vgl. umfassend Thole et al. 1996) weit über diese thematische Beschränkung hinaus. Sie streben vielmehr eine Antwort auf die Frage an, mit welchem Wissen SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen, DiplompädagogInnen, LehrerInnen und Freizeit- und KulturpädagogInnen ihr Können und Handeln in der beruflichen Praxis begründen und produzieren, wie sie - darüber hinaus – Wissen in Können und Handeln, Theorie in Praxis, disziplinäre Kenntnisse in professionelles Tun überführen (vgl. Thole/Küster-Schapfl 1996, 831).

Die Arbeiten von Thole et al. betten die Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis in einen biographischen Kontext, so daß im Zentrum ihrer Rekonstruktionen die Frage nach dem Zusammenhang von Biographie, Hochschulsozialisation, beruflicher Sozialisation und dem Verlauf der Berufskarrieren steht, somit nach jenen routinisierten und praxisgenerierenden Deutungsmustern, die sich im beruflichen Habitus niederschlagen. Gemäß dieser Focussierung wählen sie für ihre Fragestellung das narrative Interview, bei dessen Gestaltung sie sich im wesentlichen an Schütze (z.B. 1983) orientieren. Insgesamt wurden 22 Interviews mit zwölf SozialpädagogInnen bzw. SozialarbeiterInnen (FH), sieben DiplompädagogInnen und drei – ebenfalls akademisch qualifizierten - ´Quereinsteigern` durchgeführt. Die Auswertung erfolgte in einem sequenzanalytischen Vorgehen, allerdings wird hierbei in keiner der Publikationen das methodische Vorgehen näher dargestellt.

Im wesentlichen kommen Thole et al. zu dem Schluß, daß dem Studium in der Wahrnehmung der Interviewten für die Einmündung in den Beruf nur eine geringe, zum Teil sogar marginale Bedeutung zukommt. Es wird weniger im Rahmen einer zielorientierten Studienplanung genutzt, um berufliche Kompetenzen zu erwerben, sondern vielmehr, um in möglichst viele Handlungs- und Themenfelder einen Einblick zu erhalten. Die hieraus resultierenden Schwerpunkte entwickeln sich jedoch einerseits eher zufällig und sind zumeist von informellen Ratschlägen, persönlichen Neigungen und den Erfahrungen mit den DozentInnen geprägt, oder resultieren aus Erfahrungen und Fähigkeiten, die bereits vor dem Studium gewonnen wurden. Biographische Erfahrungen werden in der Regel durch das Studium nicht entscheidend verunsichert, so daß auch in der Wahrnehmung der Studierenden kein Bedarf besteht, diese Verunsicherungen theoretisch zu füllen. Vielmehr äußert sich das Verhältnis zu den theoretischen Referenzsystemen der Disziplin in einer Ignoranz gegenüber sozialpädagogischer, sozial- oder erziehungswissenschaftlicher Literatur. Diese wird lediglich in den Fällen rezipiert, wo Lösungswege für gravierende Alltagsprobleme gesucht werden oder aber die Themen gerade im Trend stehen (z.B. Rechtsradikalismus, geschlechtsspezifische Sozialisation). Die Informationsquellen sind hierbei oft beliebig, nicht spezifisch ausgewählt und nicht einschlägig fachlich; sozialpädagogische oder psychologische Periodika stehen dabei in der Lesegunst weit vor wissenschaftlichen Monographien.

Hieraus schließen Thole et al., diese Ergebnisse abstrahierend,

„daß die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit durchaus über und durch die hier beruflich Tätigen in einer Art und Weise ausgestaltet werden, die jenseits eindimensionaler Bestimmungen liegen. Weder sind die beruflichen Akteure in der Sozialen Arbeit strukturell ausschließlich dazu angeraten, die systemischen Imperative einer entmenschlichten kapitalistischen Ordnung zu reproduzieren, [...] noch können sie autonom und lediglich orientiert an ihrer Fachlichkeit frei nach ihren Gestaltungswünschen ihr Wissen vor dem Hintergrund ihrer biographischen Erfahrungen in gekonntes Handeln überführen. Vergewisserungen, die entweder die eine oder die andere Ortung theoretisch stärken und darüber die Möglichkeiten sozialpädagogischer Expertise und praktischen Handelns eng und eingeschränkt oder aber breit und unbegrenzt definieren, werden über die offengelegten Deutungsmuster nicht empirisch gesättigt. Die Aufschlüsselungen der in Texte gefaßten sozialen Realität favorisieren demgegenüber die Lesart, daß die jeweilig gewachsenen und ausformulierten Räume, Institutionen und gesellschaftlichen Rahmungen Sozialer Arbeit die Handlungspotentiale zwar präformieren sowie die Handelnden institutionell sozialisieren, die sozialpädagogisch Handelnden diesen gegebenen Kontext aber auch entscheidend und täglich aufs neue unter Rückgriff auf ihre Erfahrungen und biographischen Präpositionen reproduzieren und verändern“ (Thole/Küster-Schapfl 1996, 843).

Zusammenfassend kommen Thole et al. zu dem Ergebnis, daß

„das Studium die Herausbildung einer pädagogischen respektive sozialpädagogischen Fachlichkeit und Performanz bei den Mitarbeitern der Sozialpädagik des Kindes- und Jugendalters nicht grundlegend zu habitualisieren (scheint). Ein anderes Bezugssystem als die über fachliches Wissen leicht unterfütterten sozialen biographischen Erfahrungen als zentrale Ressourcen zur Bewältigung des beruflichen Alltags und der Entwicklung von ´Professionalität` liegt offensichtlich entfaltet nicht vor“ (ebd., 849).

Kommt somit dem Studium schon nur ein geringer sozialisierender Stellenwert für die Herausbildung beruflichen Handelns zu, verfügt auch die sozialpädagogische Praxis über keinen Kanon, „der die Ritualisierung, Verwertung und Verberuflichung sozialer biographischer Erfahrungen und Ressourcen im Kontext der institutionellen Netzwerke fachlich kodifiziert“ (ebd.); die Soziale Arbeit verfügt damit über kein eindeutiges und vor allem fachlich ausgewiesenes Vergesellschaftungs- bzw. Vergemeinschaftungsmuster. Vielmehr ritualisiert sich die berufliche soziale Praxis primär über subjektive Orientierungen und den privaten Lebensstil und umgekehrt. Dementsprechend wird plausibel, weshalb die in der Sozialen Arbeit Tätigen nur einen undeutlich konturierten professionellen Habitus ausprägen und entwickeln.

Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit

Die eigene, parallel zum Projekt von Thole drchgeführte Untersuchung (vgl. Ackermann 1999a, Ackermann/Seeck 1999), kommt, trotz eines methodisch völlig anderen Vorgehens (vgl. hierzu meinen Beitrag in der Juni-Ausgabe), zu fast analogen Ergebnissen. Grundlage der Untersuchung waren 33 ExpertInneninterviews mit drei Kohorten von AbsolventInnen des Fachbereichs Sozialwesen an der Fachhochschule Ostfriesland (Studierende, BerufspraktikantInnen, PraktikerInnen).

Zusammenfassend lassen sich die folgenden Ergebnisse festhalten: Eine Fachlichkeit wie in anderen Professionen läßt sich für den überwiegenden Teil der Befragten nicht aufweisen. Die Heterogenität der Arbeitsbereiche, der theoretischen und methodischen Zugänge, spiegelt sich in der Diffusität der Handlungsorientierungen wider. Eine Identität Sozialer Arbeit wird im Bewußtsein der Befragten im Studium nicht vermittelt und ist insofern auch nicht empirisch nachweisbar.

Der explizite Wunsch, SozialarbeiterIn/SozialpädagogIn zu werden, ist kaum noch als Motivation aufweisbar.

Das Studium erscheint vielmehr als:

Möglichkeit beruflicher Weiterbildung,

als Chance des beruflichen Aufstiegs in einen akademischen Beruf auch ohne die Qualifika-tion einer allgemeinen Hochschschulreife,

als Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen biographische Optionen auszuloten bzw. nach langjähriger Berufserfahrung neu zu bestimmen. Die Möglichkeit, ein akademisches Zertifikat auch ohne große Anstrengungen zu erlangen, unterstützt diese Orientierung.

Die Motivationslagen sind somit in der Ambivalenz von großer biographischer Offenheit auf der einen Seite und einer Reduzierung auf das Zertifikat auf der anderen Seite verortbar. Das Studium ist nicht die zentrale sozialisatorische Instanz beruflicher Identitätsbildung; diese wird vielmehr bereits rudimentär vor dem Studium gelegt. Das Studium modifiziert alltägliche Erfahrungen, verändert diese aber nicht grundlegend. Die Wahrnehmung sozialer Probleme bleibt dementsprechend alltagsweltlich, d.h. an vortheoretischen Erfahrungen orientiert.

Dieses hat Auswirkungen auf das Theorie-Praxis-Verständnis. Hier kollidiert die Intention der ausbildenden Institution, eine Ausbildung auf wissenschaftlicher Grundlage zu ermöglichen, mit den Interessen der angehenden SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen und ihren Bedürfnissen nach unmittelbar praxisrelevantem Handlungswissen. Eine Integration dieser beiden Pole ist nicht aufweisbar, im Gegenteil. Auf der Suche nach Patentrezepten und allgemeingültigen Handlungsstrategien bleiben die Lehrenden unverstanden, die ihr Verständnis von Sozialer Arbeit in einen größeren oder auch abstrakteren Rahmen einbetten; lediglich die im Verständnis der Studierenden eher `handwerklichen` Wissensbestände wie Recht und Methoden wirken orientierend. Diese finden in der Praxis als `berufliches Handwerkszeug` Verwendung, dagegen fehlt jedoch - von Ausnahmen abgesehen - ein umfassendes fachliches Referenzsystem Sozialer Arbeit. Die Praxis bleibt begrifflos, so wie die Theorie unbegriffen bleibt. Das Interesse an der Bewältigung der jeweiligen Praxis rückt das Verstehen sozialer Probleme in den Hintergrund.

Nicht das Studium und das dort - zumindest seiner Intention nach - vermittelte Referenzwissen der Disziplin prägen eine Identität Sozialer Arbeit aus, sondern die Teilnahme am »Sprachspiel« Soziale Arbeit, ohne dass jedoch die Inhalte dieses »Sprachspiels« zureichende Auswirkungen auf das fachliche Handeln haben bzw. in dieses überführt werden können.

Das disziplinäre Referenzsystem ist kaum ausschlaggebend für eine disziplinäre Verortung; vielmehr werden Alltagsdeutungen durch eine Versozialwissenschaftlichung modifiziert und disziplinäre Termini und Analysen zum großen Teil mit Alltagsdeutungen durchmischt, so dass unter Umständen zwar für Laien der Eindruck einer Fachlichkeit vermittelt werden kann, dieser sich jedoch vor der Folie einer professionalisierungstheoretischen Analyse kaum halten läßt und auch unter den Aspekten von »Fachlichkeit« bzw. »Handlungskompetenz« häufig nicht den von den Hochschulen gewünschten Standards entspricht. Die Praxis der Sozialen Arbeit verbleibt damit professionalisierungstheoretisch betrachtet auf dem Niveau semi-professionellen Handelns.

Für die Frage der Professionalisierung Sozialer Arbeit resultiert hieraus, dass eine eindimensionale Bestimmung des beruflichen Habitus zu kurz greift; die Reduzierung beruflichen Könnens auf berufliches Wissen beleuchtet nur einen Aspekt Sozialer Arbeit, ignoriert jedoch die weitaus dominanteren Aspekte der biographischen Erfahrungen oder der Alltagserfahrungen.

Erst auf der Ebene der PraktikerInnen ändert sich dieses Bild, zumindest im Hinblick auf fachliches Handeln. Auch wenn dem Studium, wie auch bei den beiden anderen Kohorten, für die Herausbildung von Handlungskompetenzen nur eine untergeordnete Relevanz zuerkannt wird, läßt sich in dieser Kohorte ein durch die Praxis und dessen sozialisierender Wirkung gewachsenes mehr oder weniger fundiertes fachliches Handeln aufweisen. Der kollegiale und fachliche Austausch sowie der tägliche Umgang mit sozialen Problemen wird zur zentralen prägenden Instanz für die Herausbildung von Fachlichkeit und Professionalität (Ackermann/Seeck 1999, 197 f.).

Soziale Arbeit – Notnagel oder Sinnquelle?

Obwohl Heinemeier (1994) in seiner Studie zu ähnlichen Ergebnissen wie den bisher dargestellten kommt, ist seine Interpretation dieser Resultate eine gänzlich andere.

Ausgangspunkt seiner Studie ist ebenfalls die Frage nach der biographischen Einbettung des Studiums; diese zentrale Fragestellung verfolgt die Zielsetzung, unterschiedliche typische Muster der biographischen Einbettung von Studium und Berufsperspektive zu rekonstruieren. Bei dem Datenmaterial handelt es sich um narrative Interviews mit SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen aus den Arbeitsfeldern Sozialpsychiatrie, Alten-, Aussiedler- und Jugendarbeit.

Heinemeier betont in seiner Darstellung, daß das Studium der Sozialen Arbeit deshalb eine so große Anziehungskraft besitzt, weil es den Studierenden ermöglicht, sich einerseits beruflich festzulegen, ohne damit andererseits biographische oder berufliche Optionen festzuschreiben. Er zeigt auf, daß Soziale Arbeit zwar durchaus eine lebensgeschichtliche Perspektive sein kann, im Gegensatz dazu aber auch lediglich eine biographische Episode, eine Art Umweg zu ganz anderen privaten und beruflichen Lebenszielen. Damit wendet er die wahrgenommene Beliebigkeit dieses Studiums in einer lebensgeschichtlichen Perspektive positiv, wenn er betont, daß das Studium der Sozialen Arbeit nicht zuletzt deshalb so attraktiv zu sein scheint, „weil es auch Platz hat für Menschen, die kein gradliniges Leben führen, nicht nur – aber auch“ (ebd., 211).

In einer solchen Perspektive kommt dem Studium dann nicht primär die Funktion beruflicher Sozialisation, sondern vielmehr die eines biographischen ´Ausprobierens` zu, das Studium dient dann der Befreiung aus biographischen Abhängigkeiten, eröffnet einen Weg aus berufsbiographischen Orientierungskrisen oder bildungsbiographischen Versagenskrisen. Mit Bezug auf die Arbeit von Schön (1986) macht er deutlich, daß insbesondere das Studium der Sozialen Arbeit in einem sehr hohen Maße für ganz unterschiedliche biographischen Interessen und Lebensziele funktionalisierbar ist. Dies führt dann zu der Kernthese Heinemeiers, daß die „Attraktivität der Studienperspektive Sozialarbeit darauf beruhen (dürfte), daß sie für Studierende biographische Festlegungen ermöglicht und gleichzeitig Nicht-Festlegung“ (Heinemeier 1994, 212).

Neben diesen zentralen Ergebnissen verweist Heinemeier auf die Frage nach der geschlechtsspezifischen Attraktivität des Faches. In seiner Interpretation der Tatsache, daß es sich bei den Studierenden der Sozialen Arbeit zu ca. zwei Dritteln um Frauen handelt, setzt er sich ab von der klassischen Antwort, dies resultiere aus der Nähe der HelferInnenmotive zum tradierten Frauenbild. Diese Antwort ist seines Erachtens nur vordergründig plausibel, da nach seinen Ergebnissen die Studien- und Berufsperspektive der Sozialen Arbeit insbesondere für Frauen ein Entkommen aus abhängiger weiblicher Existenz zu versprechen scheint, „Individualisierung als Freisetzung aus traditionalen Lebensformen bei gleichzeitiger Neubindung (u.a. durch den Arbeitsmarkt) zeigt sich nicht zuletzt bei Frauen besonders deutlich“ (ebd., 214). Unsicherheit ist für Heinemeier – mit Verweis auf Wohlrab-Sahr (1993) - zum Charakteristikum weiblicher Biographien geworden; die Spannung zwischen nicht mehr gültigen weiblichen Entwürfen und noch nicht greifenden, zwischen verblassenden klassischen Vorbildern und unpräzisen bzw. noch nicht konsolidierten neuen Leitbildern ist in dieser Perspektive zum charakteristischen Merkmal der gegenwärtigen Situation von Frauen geworden.

Vor dem Hintergrund dieser Diagnose läßt sich dann auch verstehen, weshalb das Studium der Sozialen Arbeit auch und gerade für Frauen eine besondere Attraktivität besitzt:

„Gerade weil Sozialarbeit eine Welt mit buntscheckigen Berufslandschaften, schillernden Kompetenzerwartungen und vielfältigen Identifikationsmöglichkeiten ist, bietet sie sich als ein Projektionsfeld für multiple Erwartungen an. Sozialarbeit ist für die Frauen der Gegenwart nicht zuletzt deshalb attraktiv, weil sie ein traditioneller Frauenberuf ist, sondern weil sie kunterbunte Hoffnungen auf sich zu ziehen vermag“ (ebd.)

Professionalisierung ohne Profession?

Angesichts dargestellten Ergebnisse verblüfft die Diskrepanz zwischen der Darstellung Sozialer Arbeit als quantitativer Erfolgsgeschichte und dem qualitativen Gehalt der Handlungskompetenzen der in der Sozialen Arbeit Tätigen. Es bestätigt sich, daß sich gegenwärtig in der Disziplin eine Tendenz abzeichnet, die ich in anderer Stelle (Ackermann 1999b) als »Professionalisierung ohne Profession« bezeichnet habe.

Diese Tendenz resultiert m.E. daraus, daß die bisherigen Versuche der theoretischen Begründung einer Professionalisierungstheorie bzw. einer Theorie der Handlungskompetenz pädagogischen und sozialen Handelns und der empirischen Rekonstruktion auf der Handlungsebene bislang unzureichend geblieben sind und es angesichts der bisherigen Anstrengungen kaum möglich scheint, die Soziale Arbeit als gelungen professionalisiert zu charakterisieren. Genau aus dieser Erklärungsnot resultiert gegenwärtig in der Disziplin die Tendenz, hieraus eine Tugend zu machen, indem Soziale Arbeit kategorial als Profession gesetzt wird, ohne dies theoretisch oder empirisch zu belegen. Neuere Publikationen sind für solcherart Selbstvergewisserung Beleg.

Es sei angesichts solcher Diskrepanzen zwischen Wirklichkeit und deren terminologischer Konstitution gestattet, die Frage nach dem Nutzen solchen Vorgehens zu stellen. Ist hier wirklich nur der Wunsch Vater des Gedankens oder spiegelt sich hier wirklich der Versuch, eine Professionalisierung ohne Profession zu konstituieren, um – endlich – die statuspolitische Gleichstellung mit den klassischen Professionen zu erreichen, egal zu welchem Preis?

Auch wenn die dargestellten Ergebnisse ein ernüchterndes Bild vom Zustand der Sozialen Arbeit bezüglich des Standes ihrer Professionalisierung zeichnen, läßt sich die Signifikanz der Ergebnisse im Kontext empirischer Arbeiten kaum leugnen, zu auffällig analog präsentieren sich – im Kern - deren Resultate.

Literatur

Ackermann, F. (1999a): Soziale Arbeit zwischen Studium und Beruf. Frankfurt/M.

Ackermann, F. (1999b): Professionalisierung ohne Profession? Der »wissenschaftlich ausgebildete Praktiker« als Auslaufmodell. In: SozialExtra Nr. 10

Ackermann, F./Seeck, D. (1999): Der steinige Weg zur Fachlichkeit. Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit. Hildesheim

Atteslander, P. (1971): Methoden der empirischen Sozialforschung. Berlin/New York

Heinemeier, S. (1994): Sozialarbeit: Notnagel oder Sinnquelle? Zwischenergebnisse einer biographischen Studie zur Bedeutung von Studium und Berufsperspektive. In: U. Schattenburg (Hg.), Aushandeln, Entscheiden, Gestalten – Soziale Arbeit, die Wissen schafft, Hannover

Kurz-Adam, M. (1997): Professionalität und Alltag in der Erziehungsberatung. Entwicklungslinien und empirische Befunde. Opladen

Lamnek, S. (1989): Qualitative Sozialforschung. Bd. 2: Methoden und Techniken. München

Leenen, W.R. (1992): Der Arbeitsmarkt für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Ein kritischer Rückblick auf die 80er Jahre. In: neue praxis 22, S. 503-523

Rauschenbach, T. (1999): Das sozialpädagogische Jahrhundert. Weinheim/München

Rauschenbach, T./Beher, K./Knauer, D. (1995): Die Erzieherin - Ausbildung und Arbeitsmarkt. Weinheim/München

Rauschenbach, T./Schilling, M. (1997): Das Ende der Fachlichkeit? In: neue praxis 27, S. 22-54

Schön, B. (1986): Einleitung: Wenn Helfer selbst betroffen sind. In: Ders. (Hg.), Die Zukunft der sozialen Berufe – Arbeitsmarkt, Ausbildung, Alternativen, Frankfurt am Main

Schütze, F. (1983): Biographieforschung und narratives Interview. In: neue praxis 13, S. 283 - 293

Sommerfeld, P. (1996): Professionelles Handeln und berufliche Identität der Sozialarbeit. Forschungsbericht einer Untersuchung der Sozialarbeit in der Psychiatrie und im Jugendamt bezüglich ihrer Professionalisierung. Ms., Fribourg

Sommerfeld, P./Gall, R. (1996): Berufliche Identität und professionelles Handeln am Beispiel der Sozialarbeit in der Psychiatrie. In: Symposium Soziale Arbeit – Beiträge zur Theoriebildung und Forschung in Sozialer Arbeit, herausgegeben v. Verein zur Förderung der Sozialen Arbeit als akademische Disziplin, Köniz

Thole, W./Küster-Schapfl, E.-U. (1996): Erfahrung und Wissen - Deutungsmuster und Wissensformen von Diplompädagogen und Sozialpädagogen in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit. In: ZfPäd. 42, S. 831-851

Thole, W./Küster-Schapfl, E.-U. (1997): Sozialpädagogische Profis. Opladen

Thole, W./Küster-Schapf, E./Morgenroth, L./Haase, D./Stahl, G./Cloos, P. (1996): Beruflicher Habitus in biographischer Perspektive. Hildesheim

Wohlrab-Sahr, M. (1993): Biographische Unsicherheit. Opladen Seitenanfang